Bloggerin Anne Roth moderierte Freitag, am 15. April 2011, am dritten Tag der re:publica 11 „Cyberfeministinnen und Girls on Web – ein Generationengespräch“

Panel Cyberfeminismus und Girls on Web

Anne Roth (i.d.M.) moderierte das Panel Cyberfeminismus

Der Generationenbegriff wurde einleitend wieder versenkt. Umso mühevoller entwickelten Diana McCarty und Valie Djordjevic, die den Cyberfeminismus in den 90ern mitbegründeten, seine Kunstraumherkunft, seine internationale Vernetzung, seine Mailinglistenkultur, seine Beteiligung an politischen Debatten. Auch die jüngeren, insbesondere Teresa Bücker, befanden für ihr breites Themenspektrum, von feministischen Zugängen zu sprechen, integrierbar. Dies insbesondere angesichts einer Ministerin Schröder, die die Steilvorlage für eine neue Akzeptanz feministischen Selbstbewusstseins liefere. Vergnügter noch präsentierte Katrin Rönicke von Girls on Web eine eingreifende Sinnhaftigkeit feministischer Zugänge und freute sich, den lokalisierten Freiraum für Bloggerinnen durch Vernetzung zu unterstützen. Teilnehmerinnen wünschten der Podiumsdebatte, einen stärkeren Austausch über Inhalte und Politiken, die die weiblichen Bloggerinnen bewegen.

Die sympathische Begegnung der jüngeren und älteren Netzfrauen konnte in einer Stunde nur ein Auftakt sein, den Austausch über festgestellte Kontinuitäten zu intensivieren. Viel Geschichte eines verzweigten Cyberfeminismus wurde bruchstückhaft aufgerufen. Doch die analoge Welt um sie herum hatte sich seit den 90er Jahren nicht erheblich verändert, zumindest aus weiblicher Perspektive. Dieser Erfahrungsschatz musste schemenhaft bleiben. Auf der anderen Seite verführte er nicht dazu, eine Art pluralen Feminismus einzufordern, der vielleicht auch die bisweilen irritierten Männer im Raum hätte erfassen können, obwohl dies zum Greifen nahe lag.

Ein eigenwilliger Stern lag über dem Podium. Es schien unentwegt in die Rechtfertigung seines Stattfindens gezwungen. So blieben Antworten auf Strategien einen lebendigen Cyberfeminismus im Dunkeln, die Perspektiven der Girls on Web, der Mädchenmannschaft u. a. eher zufällig, obwohl zugleich die Sicherheit vermittelt wurde, dass sich da munter etwas entfaltet. Einzig in der beherzten „Verteidigungsrede“ von Katrin Rönicke zur Bemächtigung der marketingsfreundlichen Girl(y)-Vokabel, schimmerte queerer Geist hindurch. Damit stand die gängige Crux zwischen notwendiger Frauenförderung (Quote, Extrapodium, „außerhalb“ des Programms) und der altertümlichen Zweigeschlechtlichkeit, eine Melange also, in der noch jeder feministischen Ansatz wie in Salzsäure aufgelöst wurde, klirrend im Raum. Innerhalb der re:publica blieb offenbar vom Podium bis in den Saal das angestrengte pc-Gefühl der Frauenförderungslückenfüllung zurück, obwohl frau und man lieber über Kunst, Technik, Schreiben, Diskurse und (Netz)Politik gesprochen hätten und dies ganz sicher mit viel Input und Austausch auch passiert wäre.

Wie nebenbei also offenbarte das Podium das vertraute Dilemma einer Extraschublade Feminismus und ließ offen, was passiert wäre, wenn es einen konzeptionellen Feminismus oder queeren Ansatz auf der re:publica gegeben hätte, der sich in Repräsentanz und Debatte durch das ganze Programm hindurch schlängelt. Es war eindeutig der sensiblen Moderation von Anne Roth zu danken, dieses Gefühl der Uneingelösheit in heiterer Stimmung zu hinterlassen und damit den tiefen Sinn des Podiums wie auf einer Nadelspitze zu balancieren.

Ich hoffe, dass die Nadel jemand hat fallen hören, bevor die Planungen der fünften re:publica beginnen.