Kultur und Arbeit III

Über das Senftenberger Theater, die „Neue Bühne“, schrieb eine Kultursoziologin vor nicht all zu langer Zeit: „Nicht anbiedernd und auf den vermeintlich den Kulturbedürfnissen von Arbeitern (oder eben Arbeitslosen) entsprechenden Unterhaltungssektor zielend, sondern intellektuell, provokant und mit präziser Sprache und entschiedener Geste …Nicht das bildungsbürgerliche oder das avantgardistische Theater, das den Westen Deutschlands dominiert, sondern ein Theater, dessen Ansprüche sich mindestens ebenso an der konkreten gesellschaftlichen Situation und den kommunikativen Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung wie an der Kunst orientieren, ist das Erfolgskonzept Ostdeutschlands.“ [4] Wir erkennen, wir sollten von der Zukunft Europas, von der Zukunft der Arbeit, der Zukunft der Kultur sprechen.

Intendant Lachinian

Intendant Sewan Lachinian (Foto: DPOM)

Feuerkörbe, Theatervorplatz in Senftenberg. Drei Schauspieler und der Intendant, Sewan Lachinian, begrüßten ihr Publikum. Der Intendant übersprang die kritische Distanz und begrüßte vor einigen hundert Menschen die Linkspartei, die nach Senftenberg gekommen war, nicht nur um beim 3. GlückAuf-Fest und unzähligen Premieren den Abend zu verbringen, sondern um auch am morgigen Tage in seinen Räumen ihre Kulturkonferenz durchzuführen. Die 50 Roten sind willkommen. Die Sozialsatire von Dario Fo „Bezahlt wird nicht“ war der Beginn für eine wahrlich ausufernde Theaternacht. Da wird die „Unterschicht“ in ihrem Einfallsreichtum, ihrem Widerstand, ihrer Furcht und gar ihrer gewollten, aber nicht vermochten Gesetzestreue gezeigt. Das Leben wirft die ehrenwerten Orientierungen gründlich durcheinander, verlangt das Umwerten der Ereignisse, einen neuen Zusammenhalt, um aus dem Leben mehr als einen Existenzkampf zu machen. So überhöht das Spiel, so haarscharf landete es mitten in der Wirklichkeit. Dann teilten sich die Zuschauer in Inszenierungen, Filme, Liederabende und begegneten sich bei einer Hommage an Karl Valentin wieder. Die erschien mir ein Jahrhundert zu spät oder ich war ein Jahrhundert zu früh oder schon etwas übermüdet, nur eine Frage ließ mich hinterher nicht mehr los. Was wird aus der Zukunft des Theaters. Als bürgerliche Aufklärungsinstitution sind die Theater dahin. Als postindustrielle Sinnsuchmaschine haben Theater offenbar ganz große Aufgaben. Die „neue Bühne“ Senftenberg ist der Beweis. Sie erhielt dafür 2005 einen ordentlichen Preis. Mehr erzählte der Intendant am Sonntagvormittag.
(Der gesamte Konferenzbericht wurde Ende 2006 auf dem Onlinejournal Kulturation veröffentlicht.)