Der Online-Service von Vattenfall schrieb im November des vergangenen Jahres an seine Berliner Kunden folgende Mail: Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, die Preise für Ihren Stromliefervertrag mit der Vertragskontonummer xxxxxxxxxxxx werden zum 01.01.2010 angepasst.“

Neu war mir zum Ersten, dass mein Vertrag selbst auch etwas kostete. Bisher war ich arglos davon ausgegangen, dass ich für den Vertragsinhalt, meinen Stromverbrauch zahlte. Man lernt nie aus.

Dann folgten der Eröffnung angepasster Vertragspreise Tipps und Hinweise, wo ich meine Vertragsunterlagen im Netz wiederfinde und wie ich bei Schwierigkeiten auf anderen Wegen zu meinen einseitig geänderten Vertragsunterlagen käme.

Für Privatkunden werden die Grundversorgungstarife zum 1. Januar 2010 um 5,9 Prozent erhöht, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Gewerbekunden müssen ab dann 8,9 Prozent mehr zahlen. Für einen Durchschnittshaushalt mit 2200 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeute die erste Anhebung nach zweieinhalb Jahren etwa 2,40 Euro mehr im Monat“, klärte mich der RBB am 18. November in seinen Nachrichten auf. Zu dieser schlichten Erklärung konnte sich Vattenfall nicht aufschwingen, hatte aber den Vorgang abkürzend in eine Anpassung umgetauft. Man lernt wirklich nie aus. „Als wesentlichen Grund nannte das Unternehmen steigende Kosten, die aus der staatlichen Förderung erneuerbarer Energien entstünden.“ Auch das erfuhr ich beim Zähneputzen aus dem RBB. Also zahle ich erst Steuern für die staatliche Förderung erneuerbarer Energien. Das tue ich gern. Doch dann reicht bei Vattenfall die Kohle nicht mehr aus und es müssen neue Tagebaue aufgeschlossen werden? Daran soll ich mich mit den steigenden Kosten meines Stromliefervertrages beteiligen?

Bei Fragen und Problemen könne ich mich auch per Mail, per Telefon oder Fax an das Unternehmen wenden. „Montag bis Freitag von 820 Uhr, Samstag 916 Uhr“. Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Serviceteam der Vattenfall Europe Sales GmbH

Unter der Preiserhöhung für dieses Jahr stand noch der bedeutende Satz: „Bitte denken Sie an die Umwelt, bevor Sie diese E-Mail drucken.“ Wollte mich Vattenfall ernsthaft zum Denken auffordern, kurz bevor ich dann doch kein Papier spare? Konnte ich hernach mit all meinen Fragen zur Preisentwicklung, Energiesicherheit, zu einseitigen Vertragsänderungen oder möglicher öffentlicher Kontrolle der Netze, zur Umsiedlungs-, Energie- oder Umweltpolitik in der Lausitz bei Vattenfall anrufen, so zwischen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends?

Vattenfall stellt besonders gern Leute ein, die sie zuvor aus den devastierten Orten, wie Haidemühl, umgesiedelt haben. Das stimmt friedlich, versöhnt eventuell mit den verlorenen Orten der Erinnerung.

„Immer wieder wächst das Gras, wild und hoch und grün, bis die Sensen ohne Hass ihre Kreise zieh’n, immer wieder wächst das Gras, klammert all die Wunden zu, manchmal stark und manchmal blass, so wie ich und du“, singt uns Gundermann die Rätsel der Kindheit und die Wogen der Aufmüpfigkeit ins Ohr.

Aber hat man hernach, wenn Nachbarn dicht an dicht und doch nicht mehr beieinander, wenn die Teiche verschwunden sind und die Landschaft wieder dem Mars ähnelt, keiner mehr drängende Fragen? Solche, wie die vereinigte Stromkundschaft und solche wie du und ich?

Welche Verantwortung haben Unternehmen wie Vattenfall für unsere Umwelt, für Energiesicherheit und bezahlbare Energie, für die Lausitz in der Welt? Eines weiß ich genau, eine Telefonnummer von Vattenfall hilft mir jetzt auch nicht weiter.

(Kalenderlatt März 2010 – Lausitzkalender)