Artikel 21

Nichtdiskriminierung

Diskriminierungen, insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sind verboten. (Kapitel III, Gleichheit, – 2000/C 364/01)

Es gibt EU-Programme, die die Ausgrenzung der Roma mindern sollen. Regierungen fühlen sich daran nicht gebunden und werden kaum kontrolliert. Spricht man über Roma, dann hört man am häufigsten, es gibt über viele Jahrhunderte gewachsene Vorurteile, die tief in der Bevölkerung verwurzelt sind. Die medialen Beschreibungen erschöpfen sich in einer Charakteristik ethnischer Konflikte.2

Köln 2011

Manchmal mache ich mir Sorgen um meine Lehrstelle. An meinem Arbeitsplatz würde ich niemandem sagen, dass ich Romni bin. Ich hätte Angst, dass wenn etwas fehlen sollte, ich dafür verantwortlich gemacht werde; dass die Leute sagen: vielleicht war sie es ja, die ist ja eine von denen … Es gibt einfach zu viele Vorurteile, zum Beispiel, dass wir klauen und lügen. Mein Freund und meine beste Freundin wissen Bescheid. Aber viele meiner Freunde haben schon vor mir negativ über Roma und Sinti gesprochen, und ich will einfach nicht, dass sie falsch über mich denken“ (22jährige Auszubildende) In einer Dokumentation des Fernsehsenders VOX „Tradition ist alles – Junge Roma in Berlin“ wurde der Verkauf einer 15jährigen geschildert. Ein Schicksal von 140.000 Sinti und Roma, die in Deutschland heute leben. „Schade, wenn wir so präsentiert werden. Aber das passiert auch anderen Gruppen. So etwas ist immer gefährlich, denn es schürt die Angst, und die wiederum führt zu Vorurteilen und Rassismus“ (25jähriger Pädagogikstudent)

Budapest, Oktober 2011

Unter Protest von Theaterleuten und Fachverbänden wurde der Antisemit Isván Csurka, Mitglied der rechtsextremen Partei MIEP zum Leiter des Neuen Budapester Theaters berufen. Die Neue Bühne soll in „Hinterlandtheater“ umbenannt werden. Das soll „das unter dem sozialliberalen Joch ächzende Ungarntum“ verkörpern.3
Bulgarien, Sommer 2011

Für die aufgebrachte Menge war völlig klar, dass der 19jährige vorsätzlich überfahren worden war. Der Beschuldigte ist für sie auch nicht Mitglied der Mafia, sondern Angehöriger eines mächtigen »Roma-Clans«. … „Die Polizei war vor Ort, sogar mit einem großen Aufgebot, ist aber trotz der eskalierenden Gewalt nicht eingeschritten“4In Bulgarien leben nach Schätzung des Europarates 750.000 Roma in bitterster Armut. Pogrome, Hetzjagden erschütterten das Land in den Wochen vor den Präsidentschaftswahlen „Mit einem Straßenmarsch durch die Innenstadt von Sofia protestierten mehr als tausend Anhänger der Bulgarischen Nationalen Union (BNS) gegen den ‚Roma Terror‘ und ‚sozialen Parasitismus‘.“ Gegenaktionen kamen von der „Brücke der Verliebten“.Die medialen Beschreibungen erschöpfen sich in einer Charakteristik ethnischer Konflikte. 5

Deutschland 2000 – 2003

Es herrschten sehr unangenehme Zustände in den Flüchtlingsheimen. Es gab für 50 Leute zwei Duschen und drei Toiletten, die ständig verschmutzt waren. Sie bekamen für den Lebensunterhalt auch kein Geld sondern nur Naturalien wie Brot oder Tütensuppen.“ Vorstandsmitglied des Rom e. V. in Köln, 2011

Usti nad Labem, Tschechische Republik 1999

Sechs Wochen lang stand eine 62 Meter lange und 8 Meter hohe Mauer um ein Roma-Wohnviertel, weil sich Nachbarn über „Lärm und Schmutz“ beschwerten. Für die drei Familien wurde nach Abriss der Mauer der Wegzug behördlich unterstützt. Im Viertel selbst wurden eine Sozialstation und ein Polizeirevier eingerichtet.

Deutschland in den sechziger Jahren

Die Roma, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, wurden am Arbeitsmarkt gebraucht und integriert. Sie mussten nicht in Heimen wohnen, sondern hatten Wohnungen.“ Vorstandsmitglied des Rom e. V. in Köln, 2011

Deutschland 1939 – 1945

Roma und Sinti wurden während der Zeit des Nationalsozialismus systematisch verfolgt und getötet.

 

1 Dies wird, genau wie die nachfolgenden Kommentare, im Kölner Stadtanzeiger, 27. Oktober 2011, unter dem Titel „Schweigen über die Herkunft“ dokumentiert.

2 sieh u. a. n-tv: „Roma werden Sündenbock“, 26. Oktober 2011

3 Siehe: Der pure Faschismus“, zitiert nach spiegel online, vom 8. Oktober 2011 – siehe www.nachtkritik.de, letzer Zugriff 8. Oktober 2011

4 Aus „Mit Feuer und Facebook gegen Roma“ von Andreas Koob, Jungle World, Nr. 41/2011,

5 sieh u. a. n-tv: „Roma werden Sündenbock“, 26. Oktober 2011

 

erschienen in:

Mai- Kalenderblatt 2012 – Herausgegeben von Helmut Scholz, MdEP

Texte: Konstanze Kriese; Fotos: Alexander Schippel