Er war der Sohn des Bergarbeiters Franz und der Strickerin Luise.

Manfred Karl Pfeifer beendete „1949 die Oberschule in Glauchau … immatrikulierte sich an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, wechselte 1951 zum Maschinenbaustudium … [nach] Rostock, das er ab 1953 an der Technischen Hochschule Dresden in der Fachrichtung Fördertechnik fortsetzte…“ Er sprach viele Sprachen und spielte manisch Schach.

Als ich ihn fragte, warum er Fördertechniker geworden war, sagte er mir, dass er im ersten Studienjahr in Mathe eine Prüfung verhauen hatte. Daraufhin beschloss er, sich da reinzuknien. Damit er sich die Zahlenwelt besser vorstellen konnte, musste es Maschinenbau sein, Schaufelräder, Bagger, Bergbaugerät. Damit war er groß geworden.

„1957–62 war Pfeifer zunächst als Konstrukteur, später als Assistent des Technischen Direktor und als stellvertretender Abteilungsleiter Projektierung, Forschung und Entwicklung im VEB Schwermaschinenbau Lauchhammer und von 1962 bis 1965 als Abteilungsleiter im VEB Transportanlagenprojekt Leipzig tätig … promovierte 1967 an der Fakultät für Bergbau der Bergakademie Freiberg und wurde … 1969 als ordentlicher Professor für Fördertechnik berufen.“ Oma Luise war stolz.

„Pfeifer arbeitete und publizierte vorrangig über Probleme der Gestaltung, Dimensionierung, Zuverlässigkeit und vergleichenden Bewertung von Tagebaugroßgeräten und Maschinen des Anlagenbaus sowie über Wirtschaftsprognosen auf den Gebieten Schwermaschinenbau und Materialflusstechnik. Er war Mitautor der Buchreihe “Fördertechnik” (erste geschlossene Darstellung des Gesamtgebietes), … initiierte die verallgemeinerte Prozess- und Verfahrensbetrachtung für Transport, Umschlag und Lagerung (TUL) von Stoffen und applizierte die kybernetische Systembetrachtung und diskrete stochastische Modelle auf den (Förder-) Anlagenbau.“

Was immer diskrete stochastische Modelle mit Förderanlagen zu tun bekamen, ich weiß es nicht. Doch eines weiß ich genau. Mein Vater hatte die Ergonomie der Bedienelemente der Förderanlagen, also einen Teil ihrer ästhetischen Parameter, ihre Schönheit und Zweckmäßigkeit, versucht in Zahlen und Formeln zu pressen, damit man sie besser und angemessener verkaufen kann. Tatsächlich, er hatte die industrielle Schönheit zu mathematisieren versucht. Oft führten wir darüber stundenlange Gespräche am Schachbrett, weil er ständig seine Formeln erneuerte, mit denen im Maschinenhandel zugleich selbstverständlich gearbeitet wurde. Zu seinen wichtigsten Werken gehörten „Grenzleistungen von Schaufelrädern“ (1967), „Tagebaugroßgeräte und Universalbagger“ (1971).

1977 starb mein Vater an den Folgen eines Autounfalls „Infolge seines plötzlichen Todes wurde sein Habilitationsverfahren posthum abgeschlossen.“ Die philosophischen Gespräche über die Fördertechnik waren plötzlich verstummt. Sie waren meine ersten tiefen Grabungen nach dem Sinn des Lebens zwischen internationaler Ölkrise und dem Abbaggern der vertrauten Landschaften. Alles lief quer durch unser Leben.

 

Zitate aus: Magdeburger Biographisches Lexikon des 19. und 20. Jahrhunderts, S. 540 (letzter Zugriff 1.12.2009)

 

Kalenderblatt Juli 2010 – Lausitzkalender