Die Lausitz ist das Land, in dem Fürst Pückler lebte und Konrad Zuse lernte. Der eine erfand das Kopierpapier, der andere automatisierte monotone Berechnungen durch die Erfindung des ersten Computers, des Z3. Beide waren Lausitzer, der eine als liberaler Fürst und dies zeitlebens. Der andere kam als Kind nach Hoyerswerda und besuchte das dortige Reform-Gymnasium, das heutige Lessing-Gymnasium, ehe er in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Berlin zum Studium ging.

Heute befindet sich in Senftenberg die Hochschule Lausitz mit dem Konrad-Zuse-Medienzentrum.  Es gibt einen Schnittpunkt in den Biografien der beiden Erfinder. Sie waren Künstler und Wissenschaftler, Schriftsteller und Kosmopoliten. Sie interessierten sich für die gebaute Landschaft, für Gärten und Architektur. Fürst Pückler baute echte Landschaften und konstruierte Maschinenmodelle. Konrad Zuse baute an virtuelle Landschaften und baute echte Maschinen.

Die Internationale Bauausstellung (IBA) gab sich in der Lausitz den Namen Fürst Pücklers, doch sie stand vor einem Forschungsauftrag, den nicht einmal Konrad Zuses Computerenkel werden einlösen können. Nur bei Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ darf man „die Frage nach dem Sinn des Lebens, dem Universums und dem Rest“ einem Computer stellen. Die verblüffende Antwort heißt 42. Die Rätsel bleiben.

Wie erfindet sich eine Region neu, die zwischen Kohle und Seenlandschaft, zwischen gestern und morgen, zwischen Abwanderung und Abenteurertum ihren Alltag bewältigt. In der Niederlausitz erinnert noch heute jede Faser an die Bergarbeiter. Viele von ihnen sind Rentner. Man kann sie unumwunden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Gegend als vermögend bezeichnen. 2020 soll hier eine riesige Seenlandschaft entstehen. „Sagen sie das doch den Enkeln, was sie vorhaben, wie das Land in zehn Jahren erblühen wird, wie wir der Millionen Jahre alten Erde wiedergeben, was wir ihr in Sekunden entrissen haben…“ (1 und 2) , so die Empfehlung manch ehemaliger Bergarbeiter, wenn man auf den IBA-Terrassen stehend, einen Spaziergang in das Gestern und Morgen der Lausitz antritt. Der Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Land GmbH, der Internationalen Bauausstellung, Prof. Rolf Kuhn, sagt dann für gewöhnlich: „Nein, genau das sage ich nicht. Wenn ich argumentiere, was hier in zehn Jahren sein wird, dann sind alle Jungen weg. Ich muss nicht die Langzeitpläne, sondern die Umgestaltung selbst propagieren, als Ereignis, als Erlebnis, als interessante Gegenwart, als Reservoir für neue Arbeitsplätze, als Ideengeber für jetzt…“ (2)

Die IBA-Seeterassen in Großräschen. An diesem Ausstellungsort, an der Schwelle der Vergangenheit und der Zukunft, erfindet sich die Region neu. Ehemalige Bergleute erzählen von der Umgestaltung, von den Kunstprojekten, von den touristischen und architektonischen Pfaden durch die Landschaft, den Industriedenkmälern, einer stolzen Besucherzahl. Die eigene Lebenswelt geschichtlich, ökologisch und kulturell zu durchforsten, erscheint als einzige Chance, gegen den Schock der Deindustrialisierung eine neue Identität zu erobern. So erarbeitet man sich Hoffnung, Freiraum, Gemeinschaft, eine vielschichtige kulturelle Bindung an die Region. Die Probleme bleiben.

1 und 2 nach Konstanze Kriese: Wandel und Verwandlung in vier Akten

3 Zur Kulturkonferenz der Linkspartei.PDS am 21. und 22. Oktober 2006 in Senftenberg

Kalenderblatt November-2010 Lausitzkalender